Bist du reich?

Kürzlich habe ich von einem Gespräch erfahren zwischen Studenten und einer unserer Praktikanten. Es ging unter anderem darum, wie die Häuser ihrer Familien sind, wie sie aufgewachsen sind. Also aus welchem Material die Häuser gemacht sind, Wandfarbe, Fliesen, usw. Weiteres wurde darüber gesprochen, ob man sieht, ob jemand Geld hat.

Einstimmig meinten sie, dass wenn jemand eine Dusche hat, dann ist er reich. Mit Dusche ist der Duschkopf, Brause und Schlauch gemeint. Der Abstand zwischen Wasserhahn und dem Duschkopf beträgt wahrscheinlich max. 50 cm. Diese 50 cm sind anscheinend sehr aussagekräftig. So ein Duschkopf und Schlauch kostet zwar nur so 4-5 Euro, wenn man einen billigen nimmt, aber in den Köpfen der Leute ist eine Dusche ein Zeichen von Luxus.

Seit dem ich 2012 in diesem Haus wohne, habe ich keine Dusche, sondern gebrauche einen Eimer mit kaltem Wasser und einer Schöpfkelle. So war das einfach. Nun dusche ich ganz bewusst ohne Brause und werde wohl auch nie eine installieren.

Warum? Ich (wir) leben hier ganz bewusst einfach und verzichten auf so manche Annehmlichkeiten. Unser Anliegen ist es den Armen zu helfen. Wenn sie aber sehen, dass mein Lebensstandard soviel höher ist als ihrer, dann kreiert das Mauern. Die Menschen sind schüchtern in mein Haus zu kommen und noch mehr, mich in ihre Häuser einzuladen. Sie haben gesehen wie wir leben und denken, dass sie uns diesen Standard nicht bieten können und sind davon überzeugt, dass ich das brauche.

So versuche ich durch meinen Lebensstil bewusst ein Zeichen zu setzen und merke, wie die Einheimischen sich bei mir auch sehr wohl fühlen und gerne kommen. Gerne werde ich zu ihnen nach Hause eingeladen, schlafe dort mit einer Matte auf dem Boden, oder auf einem Holzbrett. Oft schlafe ich im Internat, wo es sehr eng und schmutzig ist.

So werde ich nun wohl auch weiterhin nur mit dem Eimer Wasser duschen. 🙂

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Der Alltag

Auf meiner letzten Busfahrt habe ich ordentlich viel gebetet, dass wir heile ankommen. Während meiner Zeit in Europa habe ich vergessen, wie verrückt die Busfahrer hier fahren.

Als ich für meinen Visums-Antrag in eine andere Stadt fuhr, musste ich dort übernachten. Da ich total verschwitzt war, wollte ich noch schnell duschen, bevor ich mich mit Freunden zum Abendessen getroffen habe. Ich habe nicht schlecht gestaunt, dass im Bad keine Handtücher waren. Wir haben zwar an der Rezeption angerufen, aber die kamen und kamen nicht. Da lag aber zum Glück ein Badvorleger. Na, der hats auch getan. Duschen war auch nicht so einfach. Die Duschknöpfe funktionierte nicht und so kam nur Wasser aus dem Hahn, welcher unter Kniehöhe war. So habe ich kurzerhand das Wasserglas das zum Zähneputzen gedacht ist genommen und damit geduscht.

Tja manchmal muss man flexible sein.

Es ist Sommer / It is summer…

Es ist Sommer, …

…wenn es sogar um Mitternacht noch 33°C in meinem Zimmer hat.

… wenn man um 05 Uhr aufwacht und es immer noch 31°C hat.

… wenn man auf dem Motorrad mitfährt und der Fahrtwind wärmer ist als die Luft aus meinem Fön/Haartrockner.

… wenn man dreimal am Tag duscht.

… wenn man duscht, sich abtrocknet und immer noch nass ist.

… wenn einfach nur sitzen und existieren anstrengend und schweißtreibend ist.

… wenn man jeden Tag Stromausfälle hat.

 

It’s summer …

… when it’s still 33°C in your room around midnight.

… when you wake up 5 am and it’s still 31°C inside.

… when you have a motor ride and the breeze is warmer then your blowdryer.

… when you shower three times a day.

… when you shower, towel dry and your still wet.

… when simple being, just sitting is to much work.

… when you have brownouts (powerlosses) every day.

 

Ein Tag

(Sorry no English version of this post)

Um euch einen kleinen Einblick in meinen Alltag zu geben, bzw. wie manche Tage ablaufen, möchte ich euch einen Tag beschreiben.

Mein Wecker läutet um 5 Uhr. Eigentlich wache ich um diese Zeit sowieso jeden Morgen auf, da es dann, oder manchmal auch schon um 4.30 Uhr, draußen laut wird. Ich höre die Nachbarn direkt neben meinem Fenster, wie sie duschen, reden, kochen, essen, Geschirr waschen usw. So stehe ich eben auch zeitig auf, lese und bitte Gott um seine Hilfe für den neuen Tag. Ich gehe duschen und lasse erst den Eimer mit kaltem Wasser voll laufen. Warmes Wasser haben wir nicht. Mit Hilfe einer Kelle ist das Duschen leichter, als nur der große Eimer. Unser Frühstück kochen wir über dem Feuer, bzw. mit Holzkohle. Das funktioniert ganz gut, es dauert nur länger, bis die Kohle glüht und ich kann auch nur einen Topf auf einmal draufstellen. Zum Frühstück gibt es heute den restlichen Reis vom gestrigen Abendessen. Wir braten ihn mit Knoblauch und Karottenstückchen an. Dazu gibt es gebratene Aubergine mit Ei. Richtig lecker. Mhmm.

Am Morgen nehme ich mir Zeit meine Sprachstunde vorzubereiten und zu wieder holen von der gestrigen Lektion. Am Spätvormittag kommt Aida eine Studentin, um mir mit dem Tagalog zu helfen. Sie ist echt ein liebes Mädchen und mir eine große Hilfe. Nach dem Unterricht lade ich sie ein, doch noch zum Essen zu bleiben. Es gibt Reis und gebratener Fisch, dazu Sojasauce mit Tomaten und Zwiebeln. Soooo „masarap“ (lecker). Beim Essen fragt Aida mich, ob wir im Haus Strom und Wasser haben. Ich bejahe. Sie erzählt mir von ihrem Zuhause, dass sie kein Strom haben und immer erst ein Stück laufen müssen, um an einem Brunnen Wasser zu pumpen.

Nach dem Aida weg ist, mache ich bei der brütenden Hitze ein kurzes Mittagsschläfchen. Die Haustüre steht meistens weit offen. Als ich aufwache sehe ich, wie eine Katze aus meinem Zimmer rausläuft… Die hat wohl die Gunst der Stunde genutzt. Letztens war es ein Huhn. Na wenigstens haben die kein Häufchen hinterlassen. Nun heißt es die neu gelernte Lektion vom Vormittag zu wiederholen, wieder und wieder durchgehen. Doch das ist nur ein Teil. Ich muss raus gehen und mit den Leuten üben. Nicht nur vor einem Buch sitzen, sondern mit Leuten reden.

Gerade als ich mich aufmachen will, höre ich draußen, wie einige Kinder mich rufen: „Ate Simone!“ Ein Haufen Kinder spielt vor meinem Haus. Ca. 20 Minuten rede ich mit den Kindern. Immer wieder muss ich nach den Namen fragen, da sie so anders klingen. Auf Tagalog frage ich die Kinder, ob sie eine Geschichte hören wollen. Kürzlich habe ich ein Kinderbuch gekauft mit Geschichten in Tagalog. Nachdem ich die Kinder mit Wasser und Snacks versorgt habe, sitzen wir im Schatten, umgeben von Kindern lese ich etwas holprig die Geschichte über eine Eidechse vor. Wenn ich etwas falsch ausspreche helfen mir die Kinder und korrigieren mich. Bevor die Kinder sich wieder auf den Weg machen, fragen sie mich: „Ate Simone, können wir morgen wieder kommen?“ KLAR J

Nun mache ich mich auf und gehe zu meiner Nachbarin. Sie hat Zeit und so sitzen wir vor ihrem Haus und ich übe mit ihr meine neuen Sätze und auch so reden wir über alles Mögliche. Ich verwende so viel Tagalog wie möglich. Oft habe ich eine falsche Grammatik und sage lustige Sachen. Wir lernen uns besser kennen und haben gleichzeitig immer wieder viel zu lachen. Sie erzählt mir über ihre Familie und ich über meine. Später gesellt sich eine weitere Nachbarin zu uns. Ich wiederhole die gleichen Fragen. Ich frage sie, ob sie Kinder hat. Sie verneint, fügt dann aber hinzu, dass sie sechs Kinder hatte, aber alle gestorben sind. Ich bin geschockt und traurig, mir fehlen die Worte. Die Frauen wechseln das Thema und sagen mir, wir gerne sie doch weiße Haut hätten, wie die Leute im Westen. Ich erzähle ihnen, wie „die Leute im Westen“ gerne braune Haut hätten. Eine verdrehte Welt. Ich erzähle, dass Gott jeden auf seine Art einzigartig gemacht hat und schön ist in seinen Augen. Sie stimmen zu. Noch ca. eine Stunde sitze ich bei ihnen und versuche mich auf Tagalog zu unterhalten.

Wir verabschieden uns und ich gehe drei Häuser weiter, um mit der Nachbarin ein ähnliches Gespräch als Übung zu wiederholen. Ate Minda hat ein kleines „Restaurant“. Den ganzen Tag über kommen Leute, doch als ich komme ist nichts los und sie hat Zeit um mit mir Tagalog zu üben. Wir sitzen an einem der Tische. Nach meinen üblichen Fragen aus der Lektion vom Vormittag, reden wir über Rezepte. Richtig leckere Sachen. Nochmal eine Stunde sitzen wir und reden. Ich bin begeistert, wie viel Tagalog ich verwende, auch wenn meine Gespräche noch sehr langsam sind und ich viel überlegen muss.

Es ist fast 18 Uhr und es ist gleich dunkel. Ich muss nach Hause. Zum Abendessen gibt es eines meiner Lieblingsgerichte „ginataang gulay“ (Gemüse in Kokosmilch gekocht). Natürlich wird das mit Reis gegessen. Kaum sitzen wir am Tisch, gehen die Lichter, der Ventilator, usw. aus – Stromausfall. Vor ein paar Tagen haben die regelmäßigen Stromausfälle wieder angefangen. Das wird nun über die nächsten Wochen und Monate jeden Tag so sein. Jeden Abend ein drei-stündiger Stromausfall. Jeden Tag zu einer anderen Uhrzeit. Wir essen bei Kerzenlicht und gehen schon um 20 Uhr ins Bett.

Ich liege im Bett und lasse den Tag revue passieren und merke, dass ich so viel Grund habe Gott zu danken: Trotz vieler Stromausfälle, haben wir immerhin Strom. Wenn auch kein warm Wasser, immerhin haben wir fließendes Wasser im Haus. Mein Wellblechdach hat einige Löcher und wenn es ordentlich regnet, dann tropft es rein, aber immerhin habe ich ein Dach überm Kopf. Kochen über dem Feuer dauert länger, aber das Essen schmeckt sehr lecker, ich lerne wie meine philippinischen Nachbarn zu kochen, verstehe ihr Leben besser. Meine Toilette hat keinen Sitz und keine Spülung, aber ich habe eine Toilettenschüssel, während viele Familien einfach nur ein Loch im Boden haben. Ich wohne hier in einer neuen Nachbarschaft und konnte direkt in den ersten Tagen und Wochen gute Kontakte zu meinen Nachbarn knüpfen können. Die Leute sind sehr nett. Auch mit den Kindern in der Umgebung verstehe ich mich gut. Ich lerne viel von ihnen. So viele Gründe, um Gott zu danken.

Wenn ich so über mein neues Zuhause nachdenke, über meine neue Umgebung, meine Nachbarn, dann stelle ich fest, dass mein Herz mit Dank und Freude gefüllt ist. Ich bin sehr gerne hier und kann mir nicht vorstellen woanders zu wohnen. Ich bin Zuhause!

Heiße Kalt-Wasser-Dusche / Hot Cold-Water-Shower

Deutsch/English

Hier im Haus haben wir nur kaltes Wasser, auch zum Duschen. Da gewöhnt man sich eigentlich ganz gut dran. Nur die ersten 1-2 Sekunden sind immer ein Schreck, dann ist es eigentlich ganz angenehm. Letzte Woche hatte ich eine schlechte Nacht, aber am nächsten Tag frei, so habe ich mal richtig lange geschlafen und war dann um 11 Uhr in der Dusche. Allerdings stand ich nicht lange unter dem Wasserstrahl. Da kam brühend heißes Wasser aus der Leitung. Erst habe ich die Welt nicht mehr verstanden, denn wir haben doch nur kaltes Wasser. Wie geht das also? Ein ziemliches Stück der Wasserleitung liegt in der Sonne und wenn man erst zwischen 10 und 12 Uhr duschen geht, dann ist genug Zeit da, dass die Sonne das Wasser aufwärmt. Allerdings wird es wirklich richtig heiß. Es ist unmöglich kaltes Wasser zu bekommen. Habe einfach ein bisschen laufen lassen und dann wurde es langsam etwas kühler, aber nicht kalt. Also, wenn ihr mich mal besuchen kommen wollt und nicht kalt duschen: kein Problem, ihr müsst nur zwischen 10 und 12 Uhr duschen 🙂

 

Here in the house we have only cold water, same for the shower. You get adjusted to it and it’s only the first 1-2 seconds that are tough and then it’s quit enjoyable. Last week I had a bad night and since the next day was my day off I just had a long sleep in and then went to the shower at 11am. But I didn’t stand long under the water. It was boiling hot. First I didn’t understand anything since we only have cold water in the house. How does that work then? Quit a bit of the waterpipe lies in the sun and if you go to have a shower between 10-12am, then the sun had enough time to heat up the water. During that time it’s hard or impossible to get cold water. I just let the water run for a little while and then it started to cool down a little but not really cold yet. So, if you want to come and visit me but don’t like cold showers: no problem, you just have to get your shower between 10-12am. 🙂