Rauchfrei

Dank unserem Präsidenten ist das Rauchen in öffentlichen Plätzen verboten. Trotzdem sieht man immer noch immer wieder Leute in der Öffentlichkeit rauchen. Gestern fuhr ich im Tricycle nach Hause und der Mann neben mir rauchte. Zu eurem Verständnis: der Mann saß nicht nur neben mir, so wie man in Europa im Bus oder Zug nebeneinander sitzt. Ein Tricycle ist in der Gesamtgröße vergleichbar mit einem 2-Sitzer Smart Auto, nur dass in einem Tricycle 6 Fahrgäste plus Fahrer sitzen. Also extrem eng aufeinander gequetscht. Ich war total dankbar, dass der Fahrer ihn gleich gebeten hat seine Zigarette zu vernichten.

Unser Präsident leidet selber unter Folgen vom Rauchen (in der Vergangenheit). Anstatt nur die Preise zu erhöhen und drastische Fotos zu drucken, geht er radikal vor. Er sagt, es schadet der Gesundheit, also müssen wir es verbieten. Was die Leute zu Hause machen mit ihrer Gesundheit ist ihre Entscheidung, aber zumindest in der Öffentlichkeit ist Rauchen verboten.

Ganz normal…

Dieses Bild habe ich am Campus in der Cafeteria gemacht. Ein ganz gewöhnliches Bild. Als ich 2015 im Dorf gewohnt habe, war das auch so. Hunde, Katzen und Hühner auf dem Tisch. Wenn man sie verscheucht hat, dann halt unter dem Tisch. Entweder stand ich den Hunden, Katzen, Enten und Hühnern auf die Füße – oder sie mir!

Erdbeben – wir sind sicher

Letzte Woche wurden die Philippinen von vielen Erdbeben geschüttelt. Ich habe aufgehört zu zählen. Besonders letztes Wochenende war mir oft schwindlig, aber mir war gar nicht schwindlig sondern es waren Erdbeben. Während wir es nur “leicht” gefühlt haben, waren in einer anderen Stadt die Schäden sehr groß, viele Verletzte und leider auch einige Tote. Wir sind von davon nicht betroffen und alle sind sicher. Trotzdem ist es schlimm zu wissen, dass das gleiche Erdbeben, dass bei mir Schwindelgefühle hervorgerufen hat, in einer anderen Stadt Häuser und Brücken einstürzen hat lassen und Menschen das Leben gekostet hat.

Bist du reich?

Kürzlich habe ich von einem Gespräch erfahren zwischen Studenten und einer unserer Praktikanten. Es ging unter anderem darum, wie die Häuser ihrer Familien sind, wie sie aufgewachsen sind. Also aus welchem Material die Häuser gemacht sind, Wandfarbe, Fliesen, usw. Weiteres wurde darüber gesprochen, ob man sieht, ob jemand Geld hat.

Einstimmig meinten sie, dass wenn jemand eine Dusche hat, dann ist er reich. Mit Dusche ist der Duschkopf, Brause und Schlauch gemeint. Der Abstand zwischen Wasserhahn und dem Duschkopf beträgt wahrscheinlich max. 50 cm. Diese 50 cm sind anscheinend sehr aussagekräftig. So ein Duschkopf und Schlauch kostet zwar nur so 4-5 Euro, wenn man einen billigen nimmt, aber in den Köpfen der Leute ist eine Dusche ein Zeichen von Luxus.

Seit dem ich 2012 in diesem Haus wohne, habe ich keine Dusche, sondern gebrauche einen Eimer mit kaltem Wasser und einer Schöpfkelle. So war das einfach. Nun dusche ich ganz bewusst ohne Brause und werde wohl auch nie eine installieren.

Warum? Ich (wir) leben hier ganz bewusst einfach und verzichten auf so manche Annehmlichkeiten. Unser Anliegen ist es den Armen zu helfen. Wenn sie aber sehen, dass mein Lebensstandard soviel höher ist als ihrer, dann kreiert das Mauern. Die Menschen sind schüchtern in mein Haus zu kommen und noch mehr, mich in ihre Häuser einzuladen. Sie haben gesehen wie wir leben und denken, dass sie uns diesen Standard nicht bieten können und sind davon überzeugt, dass ich das brauche.

So versuche ich durch meinen Lebensstil bewusst ein Zeichen zu setzen und merke, wie die Einheimischen sich bei mir auch sehr wohl fühlen und gerne kommen. Gerne werde ich zu ihnen nach Hause eingeladen, schlafe dort mit einer Matte auf dem Boden, oder auf einem Holzbrett. Oft schlafe ich im Internat, wo es sehr eng und schmutzig ist.

So werde ich nun wohl auch weiterhin nur mit dem Eimer Wasser duschen. 🙂

Harter Alltag

Unser Herz (Team), mein Herz schlägt für die Menschen hier und ich kann mir nicht vorstellen irgendwo anders zu sein. Doch der Alltag ist nicht immer Sonnenschein, sondern teilweise herz-zerreißend und ich brauche wirklich eure Gebete. Bitte betet für Kraft und Weisheit mit den Spannungen und Unterschieden in einer anderen Kultur richtig umzugehen.

Die Philippinen ist ein dritte Welt Land und mich erschlägt dies manchmal. Es gibt sehr viele reiche Leute, aber auch ebenso sehr viel arme. Es gibt eine kleine wachsende Mittelschicht. Wir arbeiten unter einem der ärmsten Stämme hier im Land.

Dies erlebe ich praktisch jeden Tag im Dorf bei meiner Familie. Meine Eltern haben 8 Kinder, davon 5 noch am studieren/lernen. Zwei können keine Arbeit finden und einer hat bereits 3 eigene Kinder. Die Eltern haben kein eigenes Land, sondern pächten. In den Bergen bewirtschaftet sie mit Hand-Arbeit schwieriges Gelände. Auf steilen Hängen wird von Hand Reis und Mais angepflanzt. Aufgrund der Lage, können keine Tiere oder Maschinen eingesetzt werden und es ist harte Arbeit in der Tropenhitze. Der Ertrag ist nur gering.

Das Haus ist sehr einfach, nur Staubboden. Die Betten sind einfach nur Holzbretter auf Stelzen, darauf eine Isomatte. Ich teile mir das Bett mit 2, manchmal drei Mädels. Zu viert ist das 1,5m breite Bett recht eng, umgedreht wird gleichzeitig. Im Haus ist eigentlich nur der Schlafraum, der durch Vorhänge von dem Bereich der Eltern und der anderen Geschwister abgetrennt ist. Das Leben spielt sich draußen ab. Küche, Toilette, Tisch usw. ist alles im Freien. Gekocht wird über Feuer.

Wir überspringen oft Mahlzeiten, da nicht genug Geld da ist, um Essen zu kaufen. Ein Sack Reis mit 50kg kostet 37 Euro. Das reicht gerade mal 3 Wochen. Wir essen Abends oft sehr spät, manchmal nach 22 Uhr weil es so lange dauert Geld aufzutreiben. Oft teilen wir uns einen kleinen gebratenen Fisch zu fünft. Das ist unsere einzige Beilage zum Reis. Oft gehen wir noch hungrig ins Bett.

Mein 16-jähriger Bruder ging ohne Frühstück zur Schule, weil wir nichts hatten. Bis 16 Uhr geht sein Unterricht. Geld um sich ein Mittagessen zu kaufen, hatte er nicht.

Dies ist mein Alltag im Dorf, Leben live mit der Familie. Oft bricht es mein Herz und ich könnte einfach nur heulen und tu es auch, weil es mich innerlich total zerreißt.

Kann ich denn nichts machen? Wie können andere helfen? Das ist das andere Problem, das mich zerreißt. Ich helfe der Familie bereits. Ich gebe ihnen monatlich was und helfe auch so viel mit. Ich koche oft und besorge selber die Lebensmittel. Ich helfe immer wieder mal Strom-Wasserrechnung aus, oder kaufe einen Sack Reis. Ich bin nicht reich, aber ich könnte mehr geben oder tun.

Kulturell ist es aber eine Gradwanderung. Filipinos haben ein sehr starkes Gespür für „Schuld“. Wenn ich zuviel gebe, haben sie eine „immerwachsende Schuld“ mir gegenüber, auch wenn ich das so nicht empfinde. Wenn ich zuviel gebe, kreiere ich ein ungesundes Verhältnis und die Familie wird auch abhängig von mir. Auch bin ich nicht mehr so sehr Teil der Familie, sondern quasi bezahle für alles und ich erhalte die Familie. Das geht auch nicht. Wenn ich zuviel gebe, dann setze ich unsere Beziehung aufs Spiel. Ich habe den Status wie eines ihrer Kinder, das will ich nicht aufgeben, nur weil ich kulturell gesehen, zuviel gebe und quasi zu einem zahlenden Gast werde. So muss ich immer wieder eine gesunde Balance finden. Ich spüre manchmal, dass ich zurückschrauben muss, gerade als ich den Sack Reis gekauft habe. In dem Monat darf ich dann nicht zuviel anders machen, oder geben. Es ist schwer zu beschreiben, aber man spürt das.

Oft bricht mir das Herz und ich möchte schreien, weinen über diese Situation, doch ich kann nichts tun. Diese Spannung zerreißt mich manchmal fast. Das Einzige was mir dann bleibt, ist für sie zu beten und sie einfach zu lieben und so annehmen, mit ihnen leben – und das tu ich von ganzem Herzen.

Reisanbau

Meine Familie im Dorf lebt vom Reis- und Maisanbau. Das ist knochenharte Arbeit. Letzten Monat bin ich zwei Tage mit auf die Farm der Familie, um beim Anpflanzen zu helfen. Einmal wollte ich praktisch wissen, wie das funktioniert und zweitens um ein besseres Verständnis zu haben, wie ihre Arbeit aussieht. An sich ist das pflanzen nicht kompliziert, aber die Umstände machen es eine sehr schwere, anstrengende Arbeit. Die Farm liegt nicht, wie evt. vermutet im Flachland, sondern in den Bergen. Die Familie zählt zu den armen Leuten und vor vielen Jahren wurde dieser Stamm in die Berge vertrieben. Natürlich ist es in den Bergen, an Hängen viel schwieriger anzupflanzen. Erst durchquert man vorsichtig einen Fluss (der momentan bis zum Bauch tief ist), dann wandert man den Berg hoch. (Es gibt auch Motorräder). Dann oben angekommen, geht es einen steilen Hang runter. Man kann nicht schnell laufen, da es so steil ist, man muss sehr vorsichtig sein. Unten angekommen, findet man ein kleines Bächlein, zu dem ihr hier eine Geschichte findet: https://simonesnews.wordpress.com/2015/05/09/ein-schones-bachlein/ . (Einfach draufklicken). Auf der gegenüberliegenden Seite, der steile Hang ist der Boden der Familie.

Zum Mais anpflanzen nimmt man einen spitzen Stock und macht so alle halbe Meter ein Loch in den Boden und legt zwei Maiskörner rein. Für den Reis macht man nach jedem kleinen Schritt ein Loch in den Boden und “eine Prise Reiskörner” rein (soviel halt zwischen drei Finger passt). Nicht kompliziert, aber es ist drückend heiß, die Sonne brennt nieder und tut regelrecht weh. Um sich von den stechenden Strahlen (nicht nur vor Sonnenbrand) zu schützen, tragen wir Jacken, oder langärmelige T-shirts. Der Hang ist sehr steil und man rutscht leicht ab. Um den Reis oder Mais in die Löcher zu geben, hat man ständig eine gebückte Haltung. Hut ab vor den Familien, die diese Arbeit leisten. Die Felder sind groß und jeden Maishalm, oder Reishalm den man sieht, bedeutet ein Loch, das von Hand gemacht wurde. Da gehen unzählige Tage drauf, bis der komplette Boden bepflanzt ist.

Angehängt habe ich euch ein paar Fotos vom Reis, unter anderem den ich angepflanzt habe. 🙂
Im Vordergrund, eher flacher Boden (sieht nur so aus) ist der angepflanzte Reis und im Hintergrund auf den steilen Hängen ist der Mais. In drei Monaten können wir Ernten.

Rematch – Rückspiel

Was für ein Kampf war denn das?? Mayweather hat aufgrund der Punktevergabe der Schiedsrichter gewonnen, nicht wegen einem knock-out. Hier auf den Philippinen wird viel gelacht, da Mayweather viel “gerannt” ist, zurückgewichen. Er hat zwar gewonnen, aber wie?…. naja… Hier geht der Scherz rum:

Pacquiao: 450 Faustschläge

Mayweather: 500 Umarmungen….

Wie die meisten Filipinos stimme ich auch für ein Rückspiel, hoffentlich ändert Mayweather seine Taktik. Das ist ja langweilig, selbst für mich als “Box-gegnerin”. Ich finde Boxen einfach kein schöner Sport, auch nicht zum Ansehen, aber Pacquiao ist eben Filipino und da hat mich das Fieber für diesen Kampf auch erwischt.